
Rohre, Rechnungen und nasse Schuhe
29. Juni 2026
Rohre, Rechnungen und nasse Schuhe
29. Juni 2026
Editorial
Sommer, Shooter und die Suche nach der nächsten großen Immersion
Eigentlich sollte man den Sommer draußen verbringen. Sonne genießen, Eis essen, vielleicht irgendwo einen guten Cocktail trinken und den Abend an der frischen Luft ausklingen lassen. Bei Temperaturen um die 40 Grad sieht die Realität allerdings schnell anders aus. Dann ist das klimatisierte Wohnzimmer plötzlich doch der deutlich attraktivere Ort – und damit auch der perfekte Zeitpunkt, um endlich ein paar Spiele nachzuholen.
Bei mir ist die Schlagzahl dabei aktuell eher überschaubar. Qualität vor Quantität, könnte man sagen. Seit inzwischen rund 36 Stunden kämpfe ich mich durch Atomic Heart. Als Freund von Story-Shootern stand der Titel schon lange auf meiner Liste, jetzt war er endlich fällig. Und was soll ich sagen: Diese Perle hätte ich deutlich früher spielen sollen.
Atomic Heart ist eines dieser Spiele, bei denen man merkt, wie viel Liebe in der Welt steckt. Unterirdische Labore, weitläufige Außenareale, absurde Maschinen, kleine Details an jeder Ecke und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen sowjetischer Zukunftsvision, Albtraum und Retro-Science-Fiction hängt. Dazu kommt eine Story, die mich tatsächlich gepackt hat. Nach über 30 Stunden war der Punkt erreicht, an dem ich nicht nur weiterspielen wollte, sondern direkt noch den Season Pass gekauft habe. Bis jetzt war das eine gute Entscheidung – auch wenn sicher noch einige Abende vor mir liegen.
Das Problem an solchen Spielen ist nur: Der Pile of Shame wächst dadurch nicht langsamer. Ganz im Gegenteil. Während man sich an einem Titel festbeißt, stapeln sich im Hintergrund längst die nächsten Kandidaten. Aber vielleicht ist genau das auch Teil des Hobbys. Man wird nie fertig. Und eigentlich ist das gar nicht so schlimm.
Der Sommer verspricht ohnehin noch einige spannende Themen rund ums Gaming. Im August steht wieder die Gamescom an, und diesmal möchte ich meinen Blick besonders auf die wirtschaftlichen Themen richten. Denn dort spielt inzwischen mindestens genauso viel Musik wie bei den großen Ankündigungen und Trailern.
Besonders spannend bleibt für mich der XR-Markt. Virtual Reality, Mixed Reality, Augmented Reality – die Branche redet seit Jahren vom großen Durchbruch. Passiert ist viel, aber der richtige Massenmoment lässt weiter auf sich warten. Die Technik wird besser, die Anwendungen werden interessanter, trotzdem bleibt XR oft eine Nische. Vielleicht trägt Immersion allein eben nicht. Vielleicht fehlt auch schlicht noch das richtige Gerät.
Was mich persönlich an vielen VR-Headsets stört, ist die eingeschränkte Alltagstauglichkeit. Ich möchte nicht für jede Anwendung in eine andere technische Sackgasse laufen. Ich wünsche mir ein Headset, mit dem ich nahtlos zwischen PC-Anwendungen, Gaming und Streaming wechseln kann. Ein Gerät, das nicht nur beeindruckt, sondern sich selbstverständlich in den Alltag einfügt. Gerade bei Streamingdiensten ist das aber oft ein Trauerspiel. Manche Anbieter sind auf bestimmten Geräten gar nicht verfügbar oder nur mit Umwegen nutzbar. Warum? Vermutlich wieder einmal Lizenzen, Plattformpolitik und andere Dinge, die Nutzer am Ende einfach nur ausbremsen.
Umso spannender wird der Blick auf die Gamescom. Vielleicht zeigt sich dort, ob XR tatsächlich vor dem nächsten Schritt steht – oder ob die Branche weiter nach dem Gerät sucht, das aus einer faszinierenden Nische endlich ein echtes Massenprodukt macht.
Wenn es soweit ist, werde ich meine Eindrücke natürlich hier teilen. Bis dahin bleibt genug Zeit für Atomic Heart, ein paar kühle Getränke und den Versuch, den Pile of Shame wenigstens nicht noch schneller wachsen zu lassen.
